Münchner Merkur | , 04.05.2011
Star und Mutter
Drei Platten, beinahe von drei verschiedenen Frauen. Ihr erstes Album „Fliang“ nimmt Claudia Koreck mit süßen 21 auf, als Deandl, fast noch als Unschuld vom Land. Sie schwärmt hinreißend von der „Schokolad’“, die ihr die Teenagerjahre versüßt hat, und sie lernt das Fliegen, ganz behutsam noch. Halb Bayern verliebt sich in das Madl aus Traunstein. Mit der zweiten Platte „Barfuß um die Welt“ landet Claudia Koreck in München, und der Aufprall ist hart. Sie ist jetzt 22, singt von der ungewohnten Großstadtmelodie, die penetrant in ihrem Kopf Karussell fährt. Und sie bellt ihrem sozial inkompetenten Ex wenig Freundliches hinterher: „I wui, dass du woaßt!“ Jetzt, mit fast 25, hat schon wieder eine neue Koreck eine Platte aufgenom- men. „Menschsein“, das dritte Album der Liedermacherin, erscheint am Freitag, präsentiert eine glückliche junge Mutter und Ehefrau, deren neues CD-Cover nicht umsonst im quietschfidelen Sonnengelb gehalten ist.
Claudia Koreck klingt wieder mit sich im Reinen auf der neuen Platte – und sie wirkt auch so, beim Gespräch auf dem Gehsteig vor dem Büro ihres Managers im Münchner Schlachthofviertel. „Am liebsten wäre es mir, wenn alles so bleiben würde, wie es jetzt gerade ist“, strahlt sie mit ihrem Albumcover um die Wette, „es ist so schön mit meinem Kind, ich bin so glücklich. Aber ich weiß natürlich, dass das nicht geht, dass wieder andere Zeiten kommen werden.“ Auch über die wird sie dann wieder schreiben. Denn: Jedes ihrer Alben ist ein akustisches Tagebuch, ein Statement zur Lage der Koreck. „Ich schreib immer darüber, wie es mir gerade geht, ich kann gar nicht anders.“
2008, als sie das zweite Album aufgenommen hat, „war ich traurig, wütend, auf der Suche, hatte keinen richtigen Halt“. Claudia Koreck hatte ihn geschafft, den lange ersehnten Durchbruch, bei Bayern 3 lief „Fliang“ rauf und runter – und sie war unglücklich. So klang auch die zweite Platte. „Alles ist explodiert damals“, blickt sie zurück. „Auf einmal wollten ganz viele Leute irgendwas von mir. Die Unbeschwertheit und die Energie waren weg, ich wollte bloß noch irgendwo ans Ende der Welt.“
Ihr Ende der Welt war Hawaii. Dort war Claudia Koreck mittlerweile fünfmal, hat beinahe ihre zweite Heimat gefunden. Dort nahm sie mit dem bekannten Surf-Songwriter Donavon Frankenreiter das lässig-heitere englischsprachige Duett „Beautiful“ vom neuen Album auf, dort heiratete sie in einer traditionellen hawaiianischen Zeremonie ihren Produzenten Gunnar Graewert. „Direkt am Strand, ein uraltes Weiberl hat uns getraut. Das war unglaublich schön“, erinnert sie sich.
Nach dem Glück mit Frankenreiter, dem die Koreck rotzfrech einen Brief geschrieben hatte (Motto: „I’m a Bavarian Singer-Songwriter, and I’d like to sing with you“) kam das noch viel größere Glück mit Timmi, mittlerweile acht Monate alt. Und mit Timmi kam die Lust zurück, wieder zu schreiben, zu singen, aufzutreten. Karrieremäßig waren zwei Jahre Pause vielleicht nicht die beste Idee, das zweite Album war ihr bisher erfolgreichstes, erreichte sogar bundesweit die Top 10. „Natürlich gab es Druck, natürlich hat man mir gesagt, das nächste Album muss schnell raus, du willst doch jetzt nicht etwa Babypause machen.“ Wollte sie aber doch. Das nette Madl mit der Gitarre kann ein ziemlicher Querkopf sein. „Ich mache ein Album, wenn es sich genau richtig anfühlt, wenn ich zwölf Lieder beieinander habe, die es wert sind, dass man sie auf CD presst. Am Schluss muss nämlich ich den Kopf dafür hinhalten.“
Bei „Menschsein“ hat es sich genau richtig angefühlt. Im Blues-Walzer „Hunger“ fröhnt sie, sexy-lasziv wie nie, der Fleischeslust. Und sie hat ihr erstes Lied für Timmi geschrieben, „Erster Augenblick“. „Brauchst dich nicht zu sorgen wegen morgen“, singt Koreck darin, „denn ich sorg für dich, heute wie morgen bis in alle Ewigkeit.“ Und sie klingt dabei endlich wieder so glücklich wie damals, beim unbeschwerten Flug über die Traunsteiner Wiesen.





