Dpad | , 02.05.2011

"Ich möchte niemand sein, der ich nicht bin"

München (dapd-bay). Privat wie beruflich hat Popsängerin Claudia Koreck derzeit viel zu lachen. Vor sieben Monaten kam ihr erstes Kind zur Welt. Dann folgte die Hochzeit mit ihrem Produzenten auf Hawaii. Und am Freitag (6. Mai) erscheint ihr drittes Album "Menschsein". Die Auszeit nach der letzten Konzerttour hat der quirligen 24-Jährigen gut getan. "Ich war für mich und hab die Zeit sehr genossen", sagt sie strahlend. Jetzt tritt sie wieder ins Rampenlicht - mit neuer Band und neuen Beats. Was bleibt, ist die unverwechselbare bayerische Mundart. 
Die blonde Frau mit dem gewinnenden Lächeln hat sich verändert. Sie wolle nicht mehr die sein, die sie vor der Schwangerschaft war, sagt sie beim Interview mit dapd im Münchner Büro ihres Managements. "Irgendwie gibt einem das ein Stück Freiheit zurück und man sieht die Welt wieder mit anderen Augen, wieder mit Kinderaugen." Und dieses Gefühl transportiert sie mit Musik. Neben ihr liegt das sommerlich-knallgelbe Cover ihrer neuen CD. "Menschsein" handelt von Mut, Vertrauen und dem Gefühl, sich treiben lassen zu können - ein Abbild von Korecks eigener Lebenswelt. "Ich hatte einfach das Gefühl, wieder frei zu sein, obwohl ich das Kind hatte." 
Koreck will als Musikerin authentisch sein und sich nicht verbiegen lassen. "Ich möchte niemand sein, der ich nicht bin", sagt sie. Entgegen dem Rat ihrer Plattenfirma habe sie sich auch die Auszeit gegönnt, um vieles zu verarbeiten. 
2007 war die Sängerin mit dem Sommer-Hit "Fliang" bekannt geworden. Von ihrem Geburtsort Traunstein ging es dann nach München, wo sie "eine wahnsinnig schnelle, brutal aufregende Zeit" hatte. Nach dem schnellen Aufstieg trat plötzlich eine Leere ein. "Damals war ich extrem auf der Suche nach etwas und wurde zum Teil auch sehr melancholisch, deshalb sind auf dem zweiten Album auch viele traurige Sachen drauf", sagt Koreck. 
"Menschsein" hat nichts mehr von dieser Melancholie und Schwere. Die Texte sind weicher und lässiger. Die Songs entstanden während ihres Rückzugs ins Private. "Ich habe erst gar nicht an das nächste Album gedacht." Denn Koreck spielte plötzlich eine andere Rolle als die der Musikerin im Scheinwerferlicht. "Normalerweise stehe ich auf der Bühne im Mittelpunkt, aber durch das Baby ist man jetzt mal rund um die Uhr für jemand anderes da gewesen, und das tat mal ganz gut." 
Die Musik klingt locker und bewusst improvisiert. Bei dem Album sei alles "schrittweise und ganz entspannt" entstanden. Ein Ausdruck dafür, was das Menschsein ausmache. Ihre bunten Blumenohrringe im hawaiianischen Look, die sie zum Interview trägt, erzählen von Korecks Liebe zu der Insel. Aber neben Freude und Glück gehört auch der Tod zu ihrem Album. "Ich habe in der Zeit auch zwei sehr liebe Menschen verloren und Musik hilft mir dabei als Ausdrucksmittel sehr." Die Musikerin paart hawaiianische Lebensfreude mit Trennungsschmerz und der Suche nach konstanten Beziehungen. "Es geht im Album um Themen, mit denen Menschen früh in ihrem Leben konfrontiert werden. Themen, die man mit dem Verstand nicht begreifen kann." 
Claudia Koreck ist kein Mensch, der um jeden Preis auf einer Erfolgswelle schwimmen will. Sie wolle nicht die "Erwartungen anderer Leute" erfüllen und sich "zum Sklaven von diesem Musikmechanismus" machen. Deshalb bleibe sie auch ihrer bayerischen Mundart treu. "Es ist mir wichtig, dass ich mich ausdrücken kann. Und das geht nun mal am besten auf bayerisch."

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