Sono Magazin | , 20.05.2011
Gedanken einer bayerischen Gefühls-Humanistin
Wer die Songs von Claudia Korecks ersten Alben kennt, der wird nicht nur musikalisch angenehme Deja-Vù-Erlebnisse haben, wenn er den Songs auf dem Anfang Mai erschienenen neuen Longplayer hört: Im Opener „Autofahren“ ähnlich wie einst bei ihrem Hit „Fliang“ aus den Sinneseindrücken einer ganz konkreten Situation positives musikalisches Gefühlskino für den Hörer. „Ich bin einfach ein sehr emotionaler Mensch und gehe gefühlsmäßig oft sehr im jeweiligen Moment auf“, gesteht Claudia Koreck bei einer Tasse Cappuccino im Gespräch mit dem Abgesandten von SONO. Eine Eigenschaft, die ihren Songs viel Farbe gibt und vielen Hörern sofort Stoff zur Identifikation bietet. Die aber im Getriebe des Alltags gefährdet ist, auch im Alltag einer Künstlerin: „Gerade die Musikbranche ist da nicht ohne“, konstatiert die Sängerin nachdenklich. „Man wird da schon sehr leicht vom wirklich tiefen Empfinden abgelenkt durch den ganzen Zirkus, den man da durchwandert“. Deshalb hatte sie sich nach ihrem zweiten Album zunächst mal eine längere künstlerische Pause verordnet. „Ich wollte einfach wieder gern am normalen Leben teilhaben, ich brauche das um mich wohl zu fühlen und auch als Quelle für meine Lieder“. Schließlich möchte sie „vielleicht noch 20 Jahre Musik machen – mir ist es ja nie um den schnellen Erfolg gegangen.“ So deutlich Songs wie „Fliang“, „Autofahren“ oder auch das erotisch deftige „Hunger“ die blonde Musikern als Genußmensch identifizieren („ja, das würde ich unterschreiben“), sosehr zeigt sie auf dem neuen Album auch nachdenkliche Facetten: "Ich habe schon auch melancholische Seiten, und die will ich auch ausdrücken“. Eine durchaus kulturkritische Note prägt etwa das zornige „Pontos“, dessen Musik Koreck schon drei Jahren im Urlaub in Griechenland schrieb („Ich hab da aus dem Fenster auf ein Hotel namens Pontos geschaut“): Claudia distanziert sich hier vom Rattenrennen der Leistungs- und Konsumgesellschaft und der Hektik unserer Zeit. Sie mahnt an „dass ma ned immer besser sein muss“ und auch mal mit dem zufrieden sein könne, „was man grad hod“. Das Auf-und-Ab im Leben durchzieht das Album „menschsein“ wie ein Leitmotiv: „Ich bin im Moment grad wahnsinnig glücklich – und da passt’s mir gar ned, dass natürlich auch irgendwann wieder eine Krise kommt im Leben“, erklärt die 25jährige die philosophierende Grundstimmung der meisten Songs. Das gegenwärtige Glück hat durchaus konkrete Gründe: Claudia Koreck hat geheiratet und ist im September letzten Jahres Mutter geworden. Es sei ihr nach der Geburt durchaus leicht gefallen, wieder ins Musikerleben einzusteigen – weil sie es sanft anging. Durch das Baby fühle sie sich wieder geerdet: „Mit seinen ganz unmittelbaren Ansprüchen rückt der Timmy bei mir Prioritäten wieder zurecht“. Wenn der Beruf sie fordert, springen Claudias Eltern als Babysitter ein. Bei der „menschsein“- Tournee im kommenden Herbst „haben wir unseren Tourplan so eingerichtet, dass wir immer nur vier Tage am Stück unterwegs sind.“ Einen interessanten sprachlichen Kontrapunkt auf „menschsein“ setzt das erste auf Englisch gesungene Lied auf einer Koreck-CD: „Beautiful“, ein Duett mit dem kalifornischen Singer-Songwriter, Wahl-Hawaiianer und Ex-Surfprofi Donavon Frankenreiter. „I hab ja eine große Hawaii-Liebe und bin schon lang Fan seiner Musik“, sagt Claudia. „Wir sind weiter in Kontakt und wollen eventuell auch mal live was zusammen machen.“ In Hawaii war die im Alltag in München lebende Traunsteinerin in den letzten Jahren immerhin fünf Mal, sie hat dort auch geheiratet. Die Liebe zu der Inselgruppe im Pazifik ist eine indirekte Stressfolge: Claudia Koreck hatte sich dort eine Auszeit genommen „nachdem es mit ‚Fliagn‘ alles so durch die Decke ging. Ich hab mich da vom ersten Moment an wohl gefühlt. Es ist so ein entspannter Groove da, besonders auf der Insel Maui – alle Sorgen werden dort mit dem warmen Regen ins Meer gespült.“





